A400M repräsentiert Deutschland bei Parade zum Nationalfeiertag in Paris

A400M repräsentiert Deutschland bei Parade zum Nationalfeiertag in Paris

Wunstorf, 13. Juli, 6.30 Uhr. Leichter Bodennebel schwebt noch über den Grasflächen des Fliegerhorstes Wunstorf. Trotz der frühen Uhrzeit ist schon viel los auf den Liegeplätzen. Mit dabei die Crew des A400M mit der Kennung 54+07. Vor ihnen liegt ein ganz besonderer Auftrag. Hauptmann Julian Kirchmann, Oberleutnant Benjamin Peters und Oberstabsfeldwebel Markus Berghorn werden heute im Tiefflug über Paris fliegen. Sie sind Teil der Militärparade am französischen Nationalfeiertag.

Der Eifelturm zum Greifen nah. Bei der Luftparade fliegt der A400M in nur 300 Metern Höhe über das Zentrum von Paris. (Quelle: Bundeswehr/Melanie Dittmann)

14 Tage konzentrierte Vorbereitungen

13. Juli, 08.51 Uhr. Der deutsche A400M startet in Richtung Orléans, der Heimat der französischen A400M-Flotte, rund 120 Kilometer südlich von Paris. Von dort aus wird der Paradeflug vorbereitet und koordiniert. Die detaillierte Vorplanung ist zu diesem Zeitpunkt bereits lange abgeschlossen. Einen ersten Übungsflug gab es schon vor zwei Wochen, die Generalprobe am 09. Juli über Paris. Schon diese Flüge waren für die Crew eine besondere Erfahrung.

Um kurz vor Neun hebt der A400M zu seiner zweitägigen Mission in Richtung Frankreich ab. (Quelle: Bundeswehr/Simon Otte)

Maximal drei Sekunden Toleranz

Der Kommandant und Fluglehrer Kirchmann hat bereits sehr viel Flugerfahrung. Trotzdem ist der bevorstehende Paradeflug etwas Besonderes für ihn: „Wir sind im Tiefflug über Paris und bei der Parade nicht allein. Für uns ist dabei das Timing entscheidend. Wir haben ein Zeitfenster von maximal drei Sekunden Toleranz, in dem wir über die Champs-Élysées fliegen müssen. Ein Auto kann man, bis es losgeht, irgendwo parken und dann starten. Wir sind die ganze Zeit in Bewegung. Irgendwann bekommen wir per Funk ein Signal und müssen dann von unserem aktuellen Standort am Himmel aus, die Route erst noch ganz schnell und exakt berechnen“, so Kirchmann.

Das ist aber noch nicht alles. „Bei dem Überflug müssen Höhe, Flugrichtung und Geschwindigkeit stimmen. Es soll ja schließlich für die Zuschauer gut aussehen“, erklärt der zweite Pilot, Peters. Prägnant fassen es die beiden zusammen und lächeln dabei. „Wir müssen zur richtigen Zeit, in der richtigen Geschwindigkeit, über den richtigen Punkt fliegen – dann passt alles.“

Landung am Treffpunkt Orléans

13. Juli, 10.15 Uhr. Nach einer Flugzeit von nur 90 Minuten landet der deutsche A400M sanft und sicher auf der Base Aérienne d’Orléans. Nach der Ankunft muss die Crew zunächst das Flugzeug für die Nacht vorbereiten. Zu Hause in Wunstorf übernimmt das immer das technische Personal. Im Ausland packt die Crew gemeinsam an. Anschließend wird der Hinflug ausgewertet. Dann sitzen noch die Piloten für eine kurze Besprechung zusammen.

Julian Kirchmann, Benjamin Peters und Markus Berghorn steuern den deutschen A400M bei der Flugparade über Paris. (Quelle: Bundeswehr/Melanie Dittmann)

Kompletter Paradeflug nach Sicht

Orléans, 14. Juli, 06.30 Uhr. Während der Technische Ladungsmeister Berghorn das Flugzeug vorbereitet, stimmen sich die Piloten für den anstehenden Flug ab. Flugplan, Flugrouten und viele weitere Details werden abgestimmt. Ganz wichtig sind hierbei die Wetterinformationen, da der komplette Flug „nach Sicht“ geflogen wird. Das heißt, die Piloten müssen die ganze Zeit zusätzlich den Luftraum beobachten und Abstände zu Wolken und anderen Flugzeugen einhalten. „Dabei verlassen wir uns auf das, was wir mit unseren Augen durch das Cockpitfenster und auf den Instrumenten sehen und über Funk hören“, so Peters. Er wird derjenige sein, der heute steuert, während Hauptmann Kirchmann die Abstimmung per Funk übernimmt.

Da keine Techniker mit nach Orléans gereist sind, kümmert sich Oberstabsfeldwebel Berghorn um die technischen Vorbereitungen. (Quelle: Bundeswehr/Melanie Dittmann)

Der Luftraum über Paris ist komplett gesperrt

9.34 Uhr. Der deutsche A400M hebt ab und fliegt in Richtung Paris. In dieser Phase ist es noch ein ganz normaler Flug. 52 Flugzeuge und 18 Hubschrauber sind bei der Luftparade dabei. Deshalb wurden allen Teilnehmern schon vorab verschiedene Warteschleifen zugewiesen. Für alle anderen Luftfahrzeuge ist der Luftraum zu dieser Zeit komplett gesperrt. Für die Crew ein außergewöhnlicher Anblick. „Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass im Luftraum über einer Millionenmetropole nichts außer den Paradeteilnehmern fliegt!“, so Kirchmann.

In der Warteschleife, dem „Holding“ kommen sich die wartenden Flugzeuge sehr nahe. Die erfahrenen Piloten haben aber alles im Griff. (Quelle: Bundeswehr/Melanie Dittmann)

Zeit den Anblick zu genießen, bevor es in die heiße Phase geht. Nach und nach kommen weitere Flugzeuge in die Schleife. Der A400M kreist in einer Höhe von rund 600 Metern. Doch das Wetter wird langsam schlechter. Wolken ziehen herein. Die Spannung steigt.

Jetzt kommt der große Moment für den A400M aus Wunstorf

10.58 Uhr. Das Kommando kommt per Funk. Die Berechnungen starten zügig und konzentriert. Alle sind beteiligt, auch Ladungsmeister Berghorn unterstützt. Kurze Zeit später ist alles berechnet und abgestimmt, der A400M mit den notwendigen Daten gepflegt. Der Kurs wird gesetzt, die Geschwindigkeit angepasst. Es geht los! Jetzt zeigt sich, ob der richtige Punkt, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Geschwindigkeit und Richtung, in der richtigen Höhe überflogen wird.

Schon auf dem Hinweg führte die Route an Paris vorbei. (Quelle: Bundeswehr/Melanie Dittmann)

In 300 Metern Höhe über die Champs Élysées hinweg

11.10 Uhr, 30 Sekunden. Nach einer französischen Falcon überfliegt der deutsche A400M mit der Kennung 54+07 den Triumphbogen und die Präsidententribüne. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Symbol der deutsch-französischen Partnerschaft. Eine Freundschaft, die weit über die Hilfen während der Pandemie hinausgeht. Auftrag erfolgreich ausgeführt! Leichte Entspannung ist im Cockpit zu spüren. Doch der Flug ist noch nicht zu Ende. Nicht nur der Anflug, sondern auch der Abflug müssen genau koordiniert werden, da sich noch weitere Flugzeuge im Überflug befinden. Nach einer kurzen Schleife über den Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle dreht der Airbus nach Orléans ab. Dort landet er wieder, fast genau zwei Stunden nach dem Start, um 11.36 Uhr. Jetzt kann sich die Crew entspannen. Für Kirchmann und Peters steht fest: „Wir sind zufrieden. Wir hoffen, den Zuschauern hat es gefallen!“

Von Paris aus fliegen die französischen Flugzeuge in Formation weiter. (Quelle: Bundeswehr/Martin Buschhorn)

Zeit für eine kurze Nachbesprechung. Routiniert und Professionell besprechen die drei Crewmitglieder den hinter ihnen liegenden Flug. Danach gehen gleich die Planungen für den nächsten Start los. Gegen 17:30 Uhr geht es für die deutsche Besatzung schon wieder in die Luft, diesmal zurück zum Fliegerhorst Wunstorf. Um circa 20:30 Uhr wird dann ein besonderer Arbeitstag für die Crew vorüber sein und es heißt „Mission beendet“.

Der Nationalfeiertag wird im ganzen Land gefeiert

Der 14. Juli ist für Frankreich etwas ganz Besonderes. Im ganzen Land gibt es Veranstaltungen. Seit 1980 ist die Champs-Élysées in Paris der zentrale Schauplatz für eine große Militärparade. Hunderttausende Menschen kamen in den vergangenen Jahren als Zuschauer, ebenso wie zahlreiche ausländische Staatsgäste. In diesem Jahr steht der Nationalfeiertag aber auch noch unter dem Einfluss der Corona-Pandemie.

Dank für die Unterstützung aus Deutschland

In einem viel kleineren Rahmen wird heute auch den Helferinnen und Helfern gedankt, die Frankreich in der Not beistanden. Hierzu zählt auch Deutschland, dass unter anderem mit einem A400M des Lufttransportgeschwaders 62 an Covid-19 erkrankte Menschen in ein deutsches Krankhaus ausgeflogen hatte. Als Dank durfte nun heute ein deutscher A400M an der Luftparade teilnehmen. Für das LTG 62 und die teilnehmende A400M-Crew eine besondere Ehre und Herausforderung.

Letzter Zwischenstopp in Orléans

In Orléans bleibt der Crew aus Wunstorf noch Zeit für eine kurze Nachbesprechung. Routiniert besprechen die drei Crewmitglieder den hinter ihnen liegenden außergewöhnlichen Flug. Danach gehen gleich die Planungen für den nächsten Start los. Gegen 17.30 Uhr geht es für die deutsche Besatzung schon wieder in die Luft, dieses Mal zurück zum Fliegerhorst Wunstorf. Um circa 20.30 Uhr wird dann ein besonderer Arbeitstag für die Crew vorüber sein und es heißt „Mission beendet“.

Autor: Martin Buschhorn

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