Eurofighter olé – Mit Sack und Pack nach Andalusien

Für drei Jahre tauscht ein deutscher Kampfjet-Pilot Bayern gegen Südspanien. Seine Familie, seine Erfahrungen und seine Leidenschaft nimmt er mit auf diese Reise. Gemeinsam mit seinen spanischen Kameraden fliegt er für die Eurofighter-Staffel in der Provinz Sevilla.

Major Ronny S. fliegt für drei Jahre spanische Eurofighter auf der Morón Air Base. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)
Vier Piloten sitzen in olivgrünen Fliegerkombis im Besprechungsraum der Air Base. Sie sind für das Flight-Briefing hier. Diese Flugvorbesprechung findet vor jedem Flug statt. Alle Details werden genau besprochen. Startzeiten, Flugroute, Geschwindigkeiten, Flughöhen und Ausweichflugplätze – die Standards des Fliegens.
Deutscher Austauschpilot bespricht mit spanischen Staffelkameraden das Nachtflugtraining. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)
Auch der taktische Anteil wird ausführlich erörtert. Heute stehen Night-Intercepts auf dem Programm. Das sind Abfangübungen bei Nacht, die die spanischen Eurofighter der 111 Escuadrón fliegen werden. Die Tafel an der Wand ist gefüllt mit Zahlen, kleinen Zeichnungen und Codewörtern. Der Formationsführer hat alles vorbereitet und erklärt seinen Plan bis ins Detail – alle müssen sich im Flug an ihn halten.
Der Eurofighter kurz vor dem nächtlichen Start. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

Vier Piloten – zwei Sprachen – ein Team

Der Anzug der vier Piloten unterscheidet sich nicht. Das Staffelwappen ist bei allen gleich. Aber einen Unterschied gibt es doch: Neben den drei Spaniern ist auch ein deutscher Pilot dabei. Major Ronny S. (35) ist Austauschpilot bei der 111 Escuadrón auf der Morón Air Base unweit der andalusischen Metropole Sevilla. Im Frühjahr 2018 ist er mit seiner Frau und den zwei Kindern vom bayerischen Neuburg an der Donau in einen Vorort von Sevilla gezogen. „Wir haben uns mittlerweile sehr gut eingelebt und über die Kinder und meine Staffelkameraden einen privaten Freundeskreis aufgebaut“, erzählt Major Ronny S. Er fügt hinzu: „Anfänglich gab es Schwierigkeiten mit der spanischen Sprache und dem starken andalusischen Dialekt, aber mittlerweile fühlen wir uns hier richtig wohl.“

 

Rückkehr vom Trainingseinsatz mit dem Eurofighter. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

 

Miteinander fliegen und voneinander profitieren

In seiner Zeit als Austauschpilot beim Ejercito del Aire (Spanische Luftstreitkräfte) hat er schon viel gesehen. Gleich in den ersten Monaten konnte er mit seiner spanischen Staffel Einsatzerfahrungen beim Baltic Air Policing in Litauen sammeln. In Spanien selbst hat er eine Reihe von Luft-Boden-Einsätzen auf dem nordspanischen Schießplatz Bardenas mit dem Laser-Ziel-Beleuchter (LDP) hinter sich. „Der Erfahrungsaustausch bei der Ausbildung und den Luft-Boden-Einsätzen ist sehr nützlich, da in Deutschland gerade die Ausbildung für den Luft-Boden-Einsatz des Eurofighters ausgebaut wird“, meint Major Ronny S.

 

Major Ronny S. fliegt in Morón oft. Er kann seine zehnjährige Erfahrung auf dem Eurofighter gut einbringen. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

 

Beim Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg war er zuletzt in der fliegerischen Einsatzplanung und -steuerung der Fliegenden Gruppe tätig. In Spanien ist er in der Sektion Taktik eingesetzt. Sie entwickelt die fliegerischen Einsatzverfahren für neue Waffen weiter.

 

Eurofighter rollen zum Start. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

 

„Ronny ist einer von uns“ – wenn Austauschpiloten zu Freunden werden

Sein spanischer Staffelkapitän, Comandante Rafael Sanz Rebollo, ist sich sicher: „Ronny ist einer von uns geworden und in der Staffel voll integriert. Wir hoffen, dass wir ihn noch etwas behalten können. Von seiner fliegerischen Expertise mit über 1.000 Flugstunden auf dem Eurofighter können wir alle profitieren“.

 

Zwei Eurofighter Staffeln sind auf der Morón Air Base bei Sevilla stationiert. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

 

Comandante Sanz Rebollo hat selbst Erfahrungen als Austauschpilot in Deutschland. Er kennt die vielen Vorteile eines Austauschprogrammes. Neben sieben Monaten Tornado-Umschulung auf der Holloman Air Force Base New Mexico ist er zwei Jahre beim damaligen Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld den Tornado geflogen und schwärmt: „Es war eine tolle Zeit in Bayern, sowohl fliegerisch als auch menschlich und kulturell. Ich hoffe, wir können Ronny ein wenig davon zurückgeben“.

 

Kontrolle des Hauptfahrwerkreifens vor dem Flug. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

 

Die enge Kooperation zwischen dem Ejercito del Aire und der Luftwaffe zeigt sich derzeit nicht nur im Austauschprogramm von Piloten, sondern auch im Bereich Ausbildung. Seit vergangenem Jahr werden junge deutsche Eurofighter-Piloten bei der zweiten Eurofighter-Staffel in Morón, der 113 Escuadrón, ausgebildet. Seit kurzem ist auch ein deutscher Fluglehrer vor Ort, der bei der fliegerischen Ausbildung unterstützt.

Autor: Ulrich Metternich
div#stuning-header .dfd-stuning-header-bg-container {background-image: url(http://www.idlw.de/wp-content/uploads/2019/05/190425_Metternich_UMET1192.jpg);background-size: initial;background-position: top center;background-attachment: initial;background-repeat: initial;}#stuning-header div.page-title-inner {min-height: 650px;}
X