Feuer in Schweden – Objektschützer gehen an ihre Grenzen

Pfeifend schließt das Ventil der Atemluftflasche beim Ausatmen der verbrauchten Luft, während die Flammen durch die Luft schießen. Ein „Flashover“ lässt die Temperaturen auf über 600 Grad Celsius in der unmittelbaren Umgebung ansteigen. Das bringt auch die Brandschützer des Objektschutzregimentes der Luftwaffe „Friesland“ zum Schwitzen.

 

Höchste Konzentration ist gefordert, um eine derartig heikle Lage zu meistern. Nach etwa 20 Minuten verlassen die Soldaten den gesicherten und gelöschten Containerbereich. Ihre erste von zahlreichen Übungen im schwedischen Rosersberg ist erfolgreich beendet.

 

Ein „Flashover“ fordert hochste Konzentration der Brandschützer des Objektschutzregimentes aus dem friesischen Jever. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

„Die Temperatur des Körpers steigt wie beim Fieber stetig an“

Nachdem die Maske abgesetzt wurde saugen die Männer die frische Luft gierig ein. Von ihren verrußten Spezialanzügen dampft das Wasser in die Luft. Nach einer kurzen Verschnaufpause sammelt sich der Trupp zur Lagebesprechung. „Je länger ihr diesen Temperaturen ausgesetzt seid umso brisanter und gefährlicher wird es für die eigene Sicherheit. Die Temperatur des Körpers steigt wie bei einem Fieber stetig an und irgendwann ist auch die Luft verbraucht. Das darf nicht passieren. Vorher müssen die Männer kontrolliert ausgetauscht werden“, erklärt Ausbildungsleiter Peter Wisseng, der gemeinsam mit den Objektschützern die Lage nach jedem Einsatz bespricht und auswertet.

 

Brandbekämpfung erfordere ein ständiges Weiterbilden, das vor Grenzen keinen Halt mache, so Feuerwehrveteran Wisseng. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Alter Hase lehrt junge Dachse

Zahlreiche unterschiedlichste Brandsituationen hat der 55-jährige schwedische Fachlehrer erlebt. Er ist ein alter Hase in der Brandbekämpfung, der gerne sein Wissen an die jungen Dachse weitergibt. Der Veteran der Stockholmer Feuerwehr und Firetrainer des schwedischen Fire and Rescue Training Center Räddningsskolan Rosersberg AB Schweden betont, dass die Brandbekämpfung ein ständiges weiterbilden erfordert und vor keinen Grenzen halt macht. Wisseng freue sich sehr, mit den Kameradinnen und Kameraden der Luftwaffe einen Erfahrungsaustausch in Form einer Weiterbildung unter dem Motto „Heißausbildung Schweden“ durchführen zu können. Dabei betont Wisseng immer wieder: „Wir können nur voneinander lernen.“

 

Es ist so heiß, dass das Wasser von den Schutzanzügen dampft. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Vier Tage realitätsnah das Feuer zu 100 Prozent löschen

„So eine Übung ist nach unserem Geschmack und hilft uns ungemein Praxis zu bekommen. Das kann gar nicht oft unter derartig, fast 100-prozentigen Bedingungen geübt werden. Mindestens zwei Mal im Jahr sollte jeder Brandschutzsoldat eine derartige Weiterbildung erhalten, um für den Ernstfall gerüstet zu sein“, so der Kontingentführer, Hauptfeldwebel Jan Eric Rossa. Diese Meinung teilen Oberfeldwebel Sabine Altona und Patrick Schäder, die das erste Mal an so einer fordernden Ausbildung teilhaben.

 

Hier in Schweden können die deutschen Soldaten bei annähernd realen Umständen üben. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Immer gewappnet sein

In einer fast 100-prozentigen realitätsnahen Umgebung zu üben, ist für die Brandschützer des Objektschutzregimentes eine Besonderheit. In Deutschland gibt es diese Möglichkeiten nicht und der eigentliche Kernauftrag der Brandschützer ist der abwehrende Brandschutz während des Flugbetriebs auf einem Flugplatz. Aber sie sind im Einsatz auch für den Grundschutz einer militärischen Liegenschaft verantwortlich wozu auch die Gebäudebrandbekämpfung zählt.

„Im Notfall gewappnet zu sein, Leben zu retten und effektiv und gezielt ein Feuer zu bekämpfen und nach Möglichkeit zu löschen ist Aufgabe eines jeden Brandschützers. Das immer wieder möglichst realitätsnah zu üben, ist so nicht überall möglich. Wir sind den Schweden sehr dankbar, dass wir hier üben dürfen“, so Kontingentführer Rossa, der das zweite Mal im Fire Rescue Center Schweden übte.

 

Auch wer nur zuschaut muss den Schutzanzug anhaben. Die Hitze ist selbst einige Meter entfernt noch zu spüren. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Erfahrungen, die noch lange im Gedächtnis bleiben

„Ich wusste, dass die Brandschützer eine hervorragende Arbeit absolvieren. Im Rahmen dieser Übung wurde ich persönlich in die Arbeit eines Teams der Brandschützer aktiv eingebunden. Das hat meine sehr positive Meinung bestätigt. Es war beeindruckend, welch gute Arbeit diese Soldatinnen und Soldaten unter extrem körperlicher Belastung leisten. Diese Erfahrung wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben“, lobte der Kommandeur des Objektschutzregimentes der Luftwaffe, Oberst Oliver Walter, die Arbeit der Brandschützer, während seines Besuches in der schwedischen Feuerwehrschule.

Oberst Oliver Walter bespricht nach seinem Einsatz das erlebte Szenario noch einmal mit den Oberfeldwebeln Patrick Schäder und Christian Schmidt durch. (Quelle: Luftwaffe/Gerhard Groeneveld)

 

Das Feuer – Feind der Feuerwehrleute

Die Heißausbildung in der schwedischen Feuerwehrschule ist eine der wenigen Möglichkeiten unter extrem realistischen Bedingungen sich dem Feind der Feuerwehrleute, dem Feuer, zu stellen. Eine Übung, die alles abfordert und die körperliche Leistungsfähigkeit bis an die absolute Grenze bringt. Trotzt der Strapazen strahlen die Gesichter der Soldaten der 7. Staffel des Objektschutzregimentes Zufriedenheit aus. Hier konnten sie das Üben und Durchführen dem sie sich jeden Tag aufs Neue in der Ausbildung und dem Dienst in ihrer Einheit stellen.

 

Die Brandschützer des Objektschutzregimentes üben intensiv im schwedischen Rosersberg. (Quelle: Luftwaffe/Gerhard Groeneveld)

 

Autor: Gerhard Groeneveld

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