Marbacher Reservisten entdecken Sardinien
22.08.2012 | Autoren: Johann Flaum, Helmut Leipertz
Die Reservistenkameradschaft Marbach konnte im September 2011 den Titel des deutschen Reservistenmeisters erfolgreich verteidigen. Als Anerkennung ihrer Leistungen erhielten sie und drei Einzelsieger den Sonderpreis des Inspekteurs der Luftwaffe - ein einwöchiger Aufenthalt beim Taktischen Ausbildungskommando der Luftwaffe auf Sardinien. Im August 2012 war es nun soweit – die Reise auf die italienische Insel wurde durch die Luftwaffe eingelöst.
In „voller Montur“ bei 35°C. im Schatten (© Luftwaffe/Johann Flaum)
Diese Informationsreise hatten sie sich redlich verdient – die Reservisten aus Marbach. Ihre Kameradschaft musste bei der Deutschen Reservistenmeisterschaft im September 2011 wieder alles geben, um den Titel erfolgreich zu verteidigen. Nach zehrenden körperlichen und mentalen Anforderungen in den Disziplinen Minenkunde, Hindernisbahn, Personen- und Fahrzeugkontrolle oder Erstversorgung und Verwundetentransport, gelang es ihnen erneut, den obersten Platz des Siegestreppchens zu erklimmen. Und dieser Sieg brachte ihnen und den drei Siegern der Einzelwertung zusätzlich eine einwöchige Exkursion nach Decimomannu, auf die Mittelmeerinsel Sardinien, ein. Hier erwartete die Gruppe die Teilnahme am Lehrgang „Überleben See“, den die Luftwaffe ganzjährig auf der Insel durchführt.
Seit über 50 Jahren auf Sardinien
Seit 1960 ist das Taktische Ausbildungskommando der Luftwaffe Italien in Decimomannu beheimatet. Zu den Hauptaufgaben des Kommandos gehören die taktische Verbandsausbildung mit verschiedenen Waffensystemen sowie die Betreuung von Kommandos verbündeter und befreundeter Streitkräfte. Rund 500 junge Soldaten und Soldatinnen der Luftwaffe durchlaufen pro Jahr während ihrer Ausbildung unterschiedliche Überlebenstrainings. Eines davon ist der Lehrgang „Überleben See“ in der Mittelmeerregion. Für die siegreichen Reservisten begann die Reise am 24. Juli in Fürstenfeldbruck. Am nächsten Tag erfolgte der Abflug von Penzing nach Decimonannu. Von hier aus verlegte die Gruppe samt Unterstützungspersonal ganz in den Westen der Insel, nach Capo della Frasca. Im Anschluss an die obligatorischen Informationen zu Ablauf und Organisation startete für die Soldaten ein umfangreiches und forderndes Ausbildungs- und Informationsprogramm am Golf von Oristano.
Die praktische Einweisung darf nicht fehlen
Sollte ein Schiff in Seenot geraten, versucht die Besatzung im Regelfall, neben Funknotrufen, auch mit pyrotechnischen Signalen auf sich aufmerksam zu machen. Dazu werden Fackeln oder andere brennende Signalmittel verwendet, deren Rauch unterschiedliche Färbungen aufweist. Daneben kann man mit einer Signalpistole auch Signalraketen verschießen, die es ebenfalls in verschiedenen Farben gibt. Jede Farbe hat dabei eine bestimmte Bedeutung: Rotes oder orangenes Licht bedeutet: akuter Seenotfall. Weißes Licht dient beispielsweise zur Ausleuchtung und Orientierungshilfe bei Nacht und Blitz-Knall-Signale finden bei Segelmanövern als Warnsignal Verwendung. Auch die Gewinnergruppe wurde in die Materie „Lichtsignale“ eingewiesen. Hauptfeldwebel Sascha Runde vom ortsansässigen Kommando erläuterte den Ausbildungsteilnehmern die praktische Nutzung und korrekte Handhabung. „Nicht direkt ins Licht sehen“, warnte Runde den Teilnehmer Leutnant Lukas Heil, als er ihm das fast 1000°C Grad heiße und entsprechend helle Notsignal übergab. Auf Magnesium basierend erzeugt diese Fackel für knapp 60 Sekunden ein extrem helles Licht in kräftigem Rot. „Jeder Bootsführersollte sich der Möglichkeit bewusst sein, einmal Hilfe zu benötigen“, so Hauptfeldwebel Runde. „In Notfällen erhöht das richtige Verhalten sowie der korrekte Einsatz vorhandener Seenot-Signalmittel die Chancen auf Hilfe um ein Vielfaches“, ergänzte er. Der nasse Tod hat viele Helfer! Zwei von ihnen sind die Unterkühlung und die Entkräftung. Daher gehören eine entsprechende Kälteschutzbekleidung und Schwimmwesten im Ernstfall zu den lebensrettenden Hilfsmitteln. Hauptfeldwebel Runde legte daher auch großen Wert auf die Erklärung und Vorführung dieser Gegenstände. „Komfort und gutes Aussehen sind hier absolut unwichtig – das schiere Überleben zählt. Eine Unterkühlung kann Gesundheitsschäden oder sogar den Tod nach sich ziehen“, erläuterte der Ausbilder der elfköpfigen Gruppe. Etwas zögerlich legten alle die Schutzbekleidung an. Danach hieß es dann aber: rauf auf das große Schlauchboot!
Alles von Bord!
„Fertig machen - in wenigen Augenblicken gehts los“. Mit diesem Kommando kündigten die Ausbilder den praktischen Teil der Übung an. Kurz wurden noch die letzten Checks durchgeführt, einige Rettungsinseln zu Wasser gelassen und das kommende Szenario erklärt. Den Reservisten sah man an, wie beeindruckt sie von Weite und Tiefe des Mediums waren, in das sie sich gleich begeben würden. Die „Schiffsbrüchigen" mussten einzeln aus dem Boot springen. Die knapp 50 Meter bis zur ersten Einmannrettungsinsel hieß es, alleine und nur mit Kälteschutzanzug, Helm und Schwimmweste zurückzulegen. Kaum an der Insel angekommen, ging es ohne Verschnaufen zügig mit dem „Entern“ weiter. Schnell war klar, welch enorme Kraftanstrengung alleine das Besteigen der Rettungsinseln in Kälteschutzanzug und mit Rettungsweste für den Teilnehmerkreis darstellt. Um gemeinsam an der letzten Rettungsinsel – eine für 20 Personen – anzukommen, mussten verschiedene Zwischenschritte eingelegt werden. Zuerst das Besteigen einer „Einmanninsel“. Dann wieder raus ins Wasser und zu Dritt, als Kette eingehakt, zur nächsten Insel – eine für sechs Personen. Nach Ankunft der nächsten Dreiergruppe erneut ins Wasser und dann als Sechsmannkette zur letzten und größten Rettungsinsel. Nach einer Schleppstrecke von ca. 140 Metern war das Ziel erreicht. Im Ernstfall erleichtert dieses Verfahren das zügige Aufnehmen der Schiffsbrüchigen durch die Rettungskräfte. „Ich hätte nie im Leben gedacht, dass Schwimmen so anstrengend sein kann“, kommentierte Obergefreiter Johannes Weber den überstandenen maritimen Kraftakt.
Stadt der Träume
Nach den anstrengenden letzten Tagen hatten sich die Reservisten ein bisschen Ruhe verdient. Und zum Gewinn gehörte natürlich auch ein wenig „Kennenlernen von Land und Leuten“. Schließlich kommt man ja nicht jeden Tag nach Sardinien. Östlich der Inselhauptstadt Cagliari befindet sich der Poetto, einer der längsten und schönsten Strände des Landes. Für die mittlerweile wieder „getrockneten“ Marbacher, ein absolutes Aha-Erlebnis. Bereits der erste kulturelle Anlaufpunkt der Reise erwies sich als Highlight. „Es ist unglaublich“, war die einhellige Meinung der beeindruckten Gruppe. Auch die im Süden Sardiniens liegende Hauptstadt selbst ist einen ausführlichen Besuch wert. Mit Kulturangeboten, Geschäften und vielfältigen Restaurants lockt Cagliari ebenso wie mit wunderschönen Lagunen und endlosen Sandstränden. Nur ein paar Kilometer entfernt lädt die sardische Natur zum Entspannen, Flanieren und Sonnenbaden ein. Ideal, um auch einmal dem Trubel und der Geschäftigkeit der Hauptstadt zu entfliehen. Sardinien – ein Hauptgewinn für die angereisten Reservisten aus Marbach. Ein Hauptgewinn, den sie am letzten gemeinsamen Abend mit einer echten italienischen Pizza krönten, bevor es am nächsten Morgen mit der C-160 Transall wieder in die Heimat zurückging.
Impressionen |
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