Leidenschaft für Farbe – Der „Lackierpapst“ der Luftwaffe

Wenn es um das Lackieren von Luftfahrzeugen geht, ist Christian Waldinger Ansprechpartner Nummer eins bei der Luftwaffe. Der Stabsfeldwebel ist Experte für Oberflächentechnik. Er kümmert sich in Erding um Ent- und Neulackierungen, spektakuläre Sonderlackierungen und Design-Entwürfe. Auch der neue Look der VIP-Cougar AS532 U2 stammt von ihm.

Stabsfeldwebel Christian Waldinger ist stolz auf sein Cougar-Design. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)

 

Schwarz-rot-golden glänzt die elegant geschwungene Banderole auf dem weißen Untergrund des Hubschraubers mit dem Taktischen Kennzeichen 82+02. Früher ist die Cougar in Luftwaffenblau im Einsatz gewesen, jetzt fliegt sie im Corporate Design der Weißen Flotte. Bei der Übergabe in Berlin-Tegel an die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung ist auch Christian Waldinger stolz auf den Erfolg seines Entwurfs.

„Die Cougar gehört zu meinen Lieblingsmodellen“, verrät der Stabsfeldwebel vom Instandsetzungszentrum (InstZ) 11. „Denn vor 15 Jahren haben mein Team und ich sie in Erding in der blauen Luftwaffen-Variante selbst lackiert. Jetzt wurde meine Idee von der Firma Eurocopter umgesetzt.“

 

Vorne das neue, hinten das bisherige Design: Die VIP-Cougar AS532 U2. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)

 

Vom Luftfahrzeugmechaniker zum Lack-Experten

Als Waldinger 1993 bei der Luftwaffe als Soldat auf Zeit anfing, machte er zunächst eine Ausbildung zum Luftfahrzeugmechaniker. 1997 zog er die Uniform für einige Jahre aus, blieb aber in Erding und spezialisierte sich als Angestellter auf Oberflächentechnik. Seit 2004 ist er Berufssoldat und Teileinheitsführer des InstZ 11 in Erding, wo lange Zeit alle fliegenden Waffensysteme vom kleinsten Waffenteil über Flugzeugkomponenten bis zum kompletten Eurofighter lackiert wurden. „Diese Arbeit fasziniert mich und bleibt immer spannend“, so der 46-Jährige. „Denn es gibt immer neue Entwicklungen.“

Ein Tornado in Handarbeit

Die erste Sonderlackierung, an der er mitgearbeitet hat, war noch reine Handarbeit. „Da haben wir alles mit Klebeband abgeklebt und dann die einzelnen Partien lackiert“, erinnert sich der Stabsfeldwebel an den ultramarinblauen Tornado für das Fly-Out in Memmingen.

 

Handarbeit: Der ultramarinblaue Tornado für das Fly-Out in Memmingen, im Hintergrund eine weitere Sonderlackierung. (Quelle: Luftwaffe/Archiv)

 

„Bronze-Tiger“ und „Silberne Gams“

Weitere Sonderlackierungen, an die er sich gern erinnert, sind der „Bronze-Tiger“, der einzige komplett lackierte Eurofighter weltweit, und die „Silberne Gams“.

 

Der „Bronze-Tiger“ war 2014 das vierte Luftfahrzeug in Folge, das in Erding für das jährlich stattfindende NATO-Tiger-Meet ein spezielles Farbenkleid erhielt und als „best painted aircraft“ ausgezeichnet wurde. (Quelle: Luftwaffe/Archiv)

 

„Eine Transall zu lackieren, ist eigentlich eine Strafarbeit, weil sie so groß ist“, sagt Waldinger,„Aber diese oldschool Lackierung war einfach etwas Besonderes, und mit dem aus mehreren Standorten zusammengewürfelten Team hat es viel Spaß gemacht.“

 

Die „Silberne Gams“ über Schloss Neuschwanstein. (Quelle: Thomas Ziegler/Luftwaffe)

 

Laser gegen Lack

Spaß machen ihm aber nicht nur die künstlerischen Aspekte der Arbeit, er begeistert sich vor allem für jede technische Entwicklung in seinem Fachgebiet. Schneideplotter für Schablonen und Folierungen haben in vielen Bereichen das Abkleben längst überflüssig gemacht. Es gibt zahlreiche moderne, schonende und gründliche Entlackungsverfahren, die alle in Erding genutzt werden. Derzeit interessiert ihn die Laser-Entlackung. „Die ist ideal für kleine Flächen und entfernt den Lack rückstandslos.“

Farbwechsel-Lack hilft, Fehler zu erkennen

Christian Waldinger schwärmt von der wasserabweisenden Lackierung mit Lotosblüteneffekt, von der sogenannten Flip-Flop-Lackierung, bei der die Pigmente aus jedem Blickwinkel eine andere Farbe annehmen und von Lacken, die ihre Farbe je nach Temperatur ändern. „Damit lassen sich tolle Effekte gestalten. Sie sind aber auch sehr sinnvoll. Wenn wir das Fahrwerk eines Eurofighters damit lackieren, können wir sofort an der Farbe sehen, ob die Felgen zu heiß werden.“

Das Wissen soll nicht verloren gehen

Bis zum Umzug des InstZ 11 nach Manching 2021 gibt Waldinger sein in 26 Jahren erworbenes Wissen in der Werkstatt in Erding an die Auszubildenden zum Luftfahrzeuglackierer weiter. In Manching, wo alles landen kann, was einen neuen „Anstrich“ braucht, möchte er gern wieder ein Kompetenzzentrum aufbauen. „Mir ist wichtig, dass das Wissen nicht verloren geht.“

In der Werkstatt des InstZ 11: Lackierarbeiten am „Bronze-Tiger“. (Quelle: Luftwaffe/Lecherbauer)

 

Mit dem mobilen Team unterwegs

Wer an irgendeinem Luftwaffen-Standort Fragen zu Lack, Farbe oder Korrosionsschutz hat, ruft in Bayern an. Denn Christian Waldinger ist inzwischen überall als „Lackierpapst“ bekannt. Er gibt nicht nur Ratschläge zu Farbwahl und Korrosionsschutz, er liefert auch Beschriftungen, Lackiervorlagen und arbeitet auf Anfrage mit seinem mobilen Team vor Ort in den Verbänden.

Familienvater, DJ und Fotograf

Privat ist Christian Waldinger ebenfalls viel und kreativ unterwegs, sei es als DJ, wo er seit 30 Jahren auf Parties alles von Abba bis ZZ Top auflegt, oder seit einiger Zeit auch als Fotograf. Trotzdem hat er noch Zeit für seine Frau, seine zwei Töchter und seinen Sohn, mit denen er im niederbayerischen Velden (Vils) zuhause ist. In seinem Heimatort wird der „Lackierpapst“ auch wohnen bleiben, wenn er mit dem InstZ 11 nach Manching umzieht. „Dann ist zwar die tägliche Fahrt länger, aber das sind mir meine Arbeit und mein Zuhause wert“, sagt Waldinger.

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