Luftwaffe startet Heron-TP-Ausbildung in Israel

Auch mit einem neuen, eigenen Werdegang zeigt die Luftwaffe, dass die unbemannte Fliegerei immer wichtiger wird. In Israel beginnt die erste Ausbildung für deutsche Heron-TP-Crews.

Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Wolken am Himmel über der israelischen Luftwaffenbasis Tel Nof. Major Oliver S. blickt in den Himmel und lächelt: „Perfektes Wetter. Wolken sind zwar eher selten am Himmel über Israel, aber für uns ja keine Seltenheit.“ S. ist Teil der ersten Gruppe von Luftwaffensoldaten, die in Israel an der Heron TP ausgebildet werden. Acht Wochen dauert der Lehrgang. Gelernt wird der Betrieb des Systems ausschließlich in der Aufklärungsrolle.

 

„Red Baron“ – Roter Baron, so haben die Israelis die Kooperation getauft. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Die bewaffnungsfähige Heron TP stellt für die Luftwaffe eine spürbare Verbesserung im Bereich der unbemannten Luftfahrzeuge dar. Mit der – im Vergleich zur bislang genutzten Heron 1 – weitaus besseren Aufklärungstechnik, einer Flughöhe von über 12.000 Metern sowie einer – abhängig von den Rahmenbedingungen – verdoppelten Einsatzzeit im Zielgebiet stärkt Heron TP die Aufklärungsmöglichkeiten der Luftwaffe deutlich. Sie ermöglicht weitreichendere operative und taktische Einsatzmöglichkeiten und verbessert so den Schutz deutscher Soldatinnen und Soldaten im Einsatz künftig erheblich.

Deutsche Soldaten werden zum ersten Mal in Israel stationiert

Zum Ausbildungsstart fand auf dem militärischen Flugplatz Tel Nof südlich von Tel Aviv eine Auftaktveranstaltung statt, an der von deutscher Seite der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“, Oberst Kristof Conrath, teilnahm.

 

Der Kommodore des TLG 51 „I“, Oberst Kristof Conrath, freut sich über den Beginn der Ausbildung. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Sein Verband im schleswig-holsteinischen Jagel ist für System und Crews verantwortlich und wird zudem ein kleines deutsches Verbindungselement auf der israelischen Luftwaffenbasis stellen, welches die Soldaten während der Ausbildung künftig unterstützt. „Der Start dieser ersten Ausbildung stellt einen weiteren Meilenstein in der erprobten und gut eingespielten Zusammenarbeit mit der israelischen Luftwaffe dar. Das Training ist nötig, um das System künftig in Einsätzen, beispielsweise in Afghanistan oder Mali, einsetzen zu können“, so Conrath. „Das Ausbildungsprogramm ist auf den Betrieb in der Aufklärungsrolle ausgelegt. Unsere israelischen Partner verfügen hier über weitreichende Erfahrungen und die entsprechende Luftraumstruktur. Das machen wir uns zunutze.“

Eine besondere Kooperation

„Die Kooperation ist nicht nur für uns etwas ganz Besonderes“, so Major S. neben ihm steht Oberstleutnant Moshe V., der Leiter des israelischen Trainerteams, und nickt zustimmend: „Wir werden beide, die deutsche Luftwaffe und die israelische, voneinander viel lernen können. Die israelische Luftwaffe hat große Erfahrung mit dem System und davon können wir nur profitieren.“

 

Major Oliver S. im Gespräch mit Oberst Conrath und dem israelischen Kommodore. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Nach derzeitigem Stand sind je zwei Lehrgänge in 2019 und 2020 geplant, weitere Durchgänge für deutsche Soldaten sollen in den Jahren 2021 und 2022 folgen. Dieses Aufgabenfeld stellt, neben den Tätigkeiten als Jetpilot oder in der Transportfliegerei, die dritte Säule des Berufsbildes Fliegerischer Dienst in der Luftwaffe dar. Auch die hier tätigen Piloten erwerben zunächst eine Piloten-Lizenz. Sie werden aber nach der Grundschulung nicht in eines der bemannten Flugzeuge der Luftwaffe steigen, sondern dann weiter zum Drohnen-Piloten ausgebildet werden.

 

Zwölf deutsche Soldaten beginnen ihre Ausbildung in Israel. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Major S., der auch schon die Ausbildung am Heron 1 absolviert hat, freut sich auf die Zusammenarbeit: „Jetzt geht es endlich los. Für uns ist es wichtig, dass wir so viel wie möglich lernen, um für die Zukunft noch besser mit der unbemannten Fliegerei in der Luftwaffe aufgestellt zu sein.“

Schneller, höher, weiter….

Heron TP (Heron = hebräisch für Reiher, TP für Turboprop) zählt zu den „Medium Altitude Long Endurance Remotely Piloted Aircraft Systems“ (MALE RPAS) und besteht aus Bodenstation und unbemanntem Fluggerät sowie zusätzlichen Kommunikationselementen. Fünf Fluggeräte und vier Bodenstationen wird die Firma ADAS (Airbus Defence & Space Airborne Solutions) beim israelischen Hersteller IAI (Israeli Aerospace Industries) bestellen und nach deutschen Vorgaben anpassen lassen. Heron TP wird nicht gekauft, sondern mit einem Dienstleistungsvertrag zur Verfügung gestellt, der auch die zeitgerechte Wartung und Durchführung von Reparaturen beinhaltet.

Die erste Heron TP soll Ende 2019 mit einer deutschen Kennung zur Verfügung stehen. „Solange fliegen wir die israelischen Systeme“, erläutert Oliver S., der nun doch etwas besorgter nach oben schaut, denn gerade hat es angefangen zu regnen. „Eine durchaus seltene Angelegenheit in einem Land, in dem gefühlt zehn Monate Sommer herrscht.“

Autor: Matthias Boehnke

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