Präzise schießen bis zum WM-Silber

Praktisches Schießen fordert den ganzen Sportler. Oliver Spoerner, Oberst im Generalstab beim Kommando Luftwaffe, begeistert sich privat für IPSC-Schießen – mit Erfolg. Bei der WM in Schweden hat er sich mit dem deutschen Team auf Platz zwei geschossen.

 

Beim IPSC-„Rifle World Shoot“ in Schweden: Oliver Spoerner als Zweiter von links in der oberen Reihe mit seiner „Squad“, seiner Schießgruppe. (Quelle: privat/)

 

Die Parcours sind anspruchsvoll und abwechslungsreich: Die Ziele sind zwischen zehn und 350 Meter entfernt. Um die Papier- und Stahlscheiben zu treffen, müssen Spoerner und die anderen Schützen sich schnell bewegen, oft die Position wechseln. Rennen, liegen, stehen, manchmal auch hocken, in unbequemen Anschlägen abdrücken. Und die Zeit läuft…

Schießen auch mal vom Holz-Elch aus

IPSC steht für die International Practical Shooting Confederation, die als Weltverband diesen dynamischen Schießsport vertritt. „Wer bislang nur den Schießstand kennt oder auf Tontauben geschossen hat, muss sich bei IPSC umstellen“, erklärt Oliver Spoerner. Er spricht die Abkürzung „Ipsic“ aus, wie alle Anhänger dieser Sportart. „Hier gibt es kein mehrmaliges Durchatmen vor der Schussabgabe oder ein gemütliches Einrichten in einer Schießposition. Es muss alles ganz fix gehen und trotzdem müssen die Treffer sitzen.“

Genau deshalb gefällt ihm das dynamische Schießen so gut, aber auch, weil jeder Parcours anders ist. „Es gibt zwar feste Regeln und Sicherheitsbestimmungen“, so Spoerner, „aber innerhalb dieser Grenzen ist alles möglich.“ Da liegen Ziele schon mal weit entfernt auf der anderen Seite eines Sees, sind halb verborgen hinter Bäumen oder man muss, um ein Ziel mit der Waffe anvisieren zu können, auf einem wackeligen Holz-Elch Platz nehmen.

Sieg oder Niederlage: Der Hitfaktor entscheidet

Zum diesjährigen „Rifle World Shoot“ ist der 51-jährige Referatsleiter nach Karlskoga in Schweden gereist. Rund 650 Schützen aus 50 Ländern haben hier vom 3. bis zum 10. August in verschiedenen Kategorien (Divisions) und eingeteilt in Schießgruppen (Squads) 30 Stages absolviert, wie die Parcours beim IPSC heißen. „Jede Stage darf man vorher abgehen. Dann überlegt man sich, wie man am besten durchkommt“, sagt Spoerner. „Ein Patentrezept gibt es nicht. Wichtig ist nur, dass man möglichst schnell ist und zugleich alle Ziele präzise trifft.“ Denn die Punkte für die Treffer werden durch die benötigte Zeit geteilt. Das ergibt den sogenannten Hitfaktor. „Es kann sich aber rechnen, dass man lieber mal ein paar Punkte liegen lässt, als unnötig lange zu brauchen“, erklärt der erfahrene Schütze.

Dynamisches Schießen verbindet auch international: Oliver Spoerner mit seinem philippinischen Squad-Partner Nolan nach dem Trikot-Tausch. (Quelle: privat/)

Siebenmal deutscher Meister

Die Taktiken, die das deutsche Team gewählt hat, sind aufgegangen, denn hinter den Finnen hat es in der Kategorie „Standard Semi-Auto Division Senior“ den zweiten Platz belegt. Die WM-Silbermedaille bereichert nun die Sammlung von Oliver Spoerner, zu der unter anderem schon sieben deutsche Meistertitel in dieser Disziplin und einige Vizetitel gehören.

 

Das deutsche Silbermedaillen-Team: Marc Kleser, Werner Wieder, Georg Gonglach und Oliver Spoerner (von links). (Quelle: privat/)

 

Er ist seit seiner Jugend schießsportlich aktiv. „Mein Vater ist Jäger und der verantwortungsvolle Umgang mit Waffen war bei uns zu Hause alltäglich.“ Mit 16 fing er mit dem Tontauben-Schießen an, 2006 entdeckte er das praktische Schießen für sich. Was ihn daran so begeistert? „Beim Schießen kriegt man den Kopf wunderbar frei und kann abschalten.“

Offizier, Jet-Pilot und Diplompädagoge

1988 begann Oliver Spoerner seine Karriere bei der Luftwaffe. Seit 2018 ist er Referatsleiter im Kommando Luftwaffe in Berlin-Gatow. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

Die Kombination aus Schnelligkeit und Präzision ist Spoerner auch in seiner Laufbahn als Stabsoffizier im fliegerischen Dienst vertraut. Mit 20 Jahren entschied sich der gebürtige Ingolstädter für eine Karriere bei der Luftwaffe. Dort studierte er Pädagogik und wurde zum Jet-Piloten ausgebildet. Er ist beim Jagdbombergeschwader 38 „F“ in Jever Tornados geflogen, war im Einsatz in Afghanistan und im Nordirak und unter anderem im Bundesverteidigungsministerium als Referent für nationale Risikoanalyse und Krisenfrüherkennung tätig. Weitere Stationen: Stellvertretender Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ und Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“. Seit 2018 leitet er das Referat 2 I a im Kommando Luftwaffe, wo auch die Dauereinsatzaufgabe Sicherheit im Luftraum beheimatet ist. Hier werden unter anderem Einsatzkonzepte erarbeitet, Amtshilfeanträge an die Luftwaffe und Truppenstelleraufgaben bearbeitet.

Mit dem Oldtimer über die Landstraße, mit dem Rad zur Arbeit

Oldtimer-Fan: Spoerner in seinem Eliminator. (Quelle: privat)

Privat ist Oliver Spoerner mit seiner Frau und den zwei „angeheirateten“ 17- und 19-jährigen Kindern in Hamburg zuhause. Dort in der Garage steht seine zweite große Liebe. Ein Ford Mercury Cougar Eliminator, Baujahr 1970. Der blau lackierte Oldtimer hat 380 PS und noch seinen Sieben-Liter-Originalmotor unter der inzwischen wertvollen Blechhaube. Raus darf der Ford vor allem im Sommer und dann am liebsten auf die Landstraße.

Zur Arbeit radelt Oliver Spoerner in Zivil, aber innerhalb der General-Steinhoff-Kaserne ist er auch in Uniform unterwegs. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

 

Während der Arbeitswoche in Berlin fährt Spoerner täglich kraftstoffsparend und sportlich 16 Kilometer mit dem Fahrrad – okay, es ist ein E-Bike – von Charlottenburg zu seinem Büro in der General-Steinhoff-Kaserne.

Nächstes Ziel: Die WM 2021 in Thailand

Das nächste große IPSC-Turnier ist für Spoerner die WM mit der Flinte 2021 in Thailand. Auch hier ist es sein Ziel, wieder ins Nationalteam zu kommen. Zwar bevorzugt er die Büchse als Waffe, schießt aber auch regelmäßig mit Flinte und Pistole. Und 2021 will er nun auch mit der Flinte aufs Treppchen.

Mitbringsel aus Schweden: In Thailand 2021 soll weiteres Edelmetall dazukommen. (Quelle: privat)

Wer sich für IPSC-Schießen interessiert, findet dazu zahlreiche Informationen unter www.bdsnet.de und www.ipsc.de. Der Bund Deutscher Sportschützen 1975 e.V., kurz BDS, ist der einzige deutsche Verband, der IPSC-Schießen im Programm hat.

 

Autor: Stefanie Pfingsten

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