Luftwaffe

Übernahme GBU-48 – neue Fähigkeit für den Eurofighter

Tiefhängender Nebel bei zwei Grad Außentemperatur. Äußerst schlechte Flugbedingungen für den Eurofighter. Die Stimmung am Fliegerhorst des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „B“ in Nörvenich ist allerdings ungetrübt. Heute wurde die laser- und GPS-gesteuerte Guided Bomb Unit 48 (GBU-48) symbolisch an die Luftwaffe übergeben. Damit kann der Eurofighter zukünftig die geforderte Mehrfachrolle von Luft-Luft und Luft-Boden übernehmen.

Ab 2018 wird der Eurofighter in der Luft-Boden-Rolle Teil der NRF sein. (Quelle: Luftwaffe/Toni Dahmen)

„Mit der GBU-48 leistet das BAAINBw seinen Beitrag zur Mehrrollenfähigkeit des Eurofighters und damit zur Auftragserfüllung der Luftwaffe“, erklärt der militärische Vizepräsident des BAAINBw, Generalmajor Klaus Veit. Der Kommandeur der Fliegenden Verbände des Luftwaffentruppenkommandos, Generalmajor Günter Katz, übernahm stellvertretend für die Luftwaffe die Präzisionsbombe vom Typ GBU-48. Mit der neuen Bewaffnung wird die Luftwaffe „im neuen Jahr auch auf Herausforderungen reagieren, die wir heute noch nicht kennen.“ Mit den kürzlich erteilten Genehmigungen zur Nutzung „wurde nun auch das letzte Mosaiksteinchen gelegt, um eine allwetter- und präzisionsfähige Luft-Boden-Rolle zu realisieren“, zeigte sich Katz begeistert.

Zeitgerecht zum Jahreswechsel kann die Luftwaffe den Eurofighter mit seiner neuen Fähigkeit einsatzbereit melden. Durch die Bewaffnung mit der Präzisionsbombe GBU-48 wird der Eurofighter ab Januar 2018 der schnellen Eingreiftruppe der NATO, der NATO Response Force, als Jagdbomber zur Verfügung stehen.




Für Stabsfeldwebel Raphael Mörs-Zander gab es in diesem Jahr bereits Grund zu feiern. Seit nunmehr 30 Jahren gehört er dem Luftwaffengeschwader in Nörvenich an. Er ist Zugführer des II. Wartungszuges für das Waffensystem Eurofighter. Sein Personal und er stellen die Symbiose zwischen Waffensystem (Eurofighter) und der neuen Bewaffnung (GBU-48) her. Erst, wenn Soft- und Hardware einwandfrei miteinander funktionieren, übergeben sie den startklaren Eurofighter an den Piloten.

Morgens Jagdflugzeug – Nachmittags Jagdbomber

Im Bereich der Wartung von Präzisionsbomben gehört Stabsfeldwebel Mörs-Zander zu den alten Hasen bei der Luftwaffe. Er hat bereits die GBU-24 am Tornado montiert, die neue Fähigkeit des Eurofighters stellt ihn dennoch vor Herausforderungen. Denn nur ein kleiner Teil des Technikpersonals kann auf einen solchen Erfahrungsschatz zurückgreifen. 2017 war auch für sie alle ein zeit- und belastungsintensives Jahr. „In 2018 müssen wir beweisen, dass die Swing Role des Eurofighters, sprich morgens Jäger, nachmittags Bomber, unser Daily Business ist“, blickte Mörs-Zander zuversichtlich ins kommende Jahr.

 
Erst das „Go“ der Techniker gibt den Eurofighter für den Piloten frei. (Quelle: Luftwaffe/Stefan Petersen)

Beginn der Nutzungsphase

„Die Herausforderung besteht fortan darin, die neue Fähigkeit durch Ausbildung der Techniker und Piloten breit aufzustellen“, erklärte General Katz. Das TaktLwG 31 „B“ ist der erste von vier Eurofighter-Verbänden der Luftwaffe, der die Einsatzfähigkeit der Luft-Boden-Rolle sicherstellt. Dadurch kann die Luftwaffe das Modul Eurofighter „Multi Role“ zeitgerecht zum Jahreswechsel einsatzfähig melden. „Die geforderte Fähigkeit können wir ab 2018 durch das TaktLwG 31 „B“ hier in Nörvenich stellen, jetzt liegt die Aufgabe vor uns, die anderen Eurofighter-Verbände zu integrieren“, schloß Katz seinen Ausblick auf das kommende Jahr. Eng an der Seite der Luftwaffe wird das BAAINBw auch künftig die GBU-48 wie auch den Eurofighter betreuen. Das Koblenzer Bundesamt ist auch in der Nutzungsphase für die Ausrüstung der Bundeswehr zuständig.


Die typische Luft-Luft-Fähigkeit eines Jagdflugzeuges, also andere Ziele in der Luft zu bekämpfen, demonstrierte der Eurofighter bereits seit 2014 beim Verstärkten Air Policing im Baltikum. Dass der Eurofighter aber zu noch mehr im Stande ist, zeigten die diesjährigen Tests mit der GBU-48-Bombe im schwedischen Vidsel. Dort wurde die Luft-Boden-Fähigkeit, bei der Ziele am Boden vom Flugzeug aus bekämpft werden, erprobt. Diese Testkampagne mit der Präzisionswaffe zeigte, dass der Eurofighter in der Lage ist, die Luft-Boden-Fähigkeit wahrzunehmen.

General Katz, der Vizepräsident des BAAINBw Generalmajor Veit, der Kommodore des TLG 31 Oberst Kleinheyer und der Präsident der Diehl Retrofit Missile Systeme GmbH Stefan Eckert. (Quelle: Luftwaffe/Toni Dahmen)

 

Die Präzisionsbombe GBU-48

Bei der Guided Bomb Unit 48 (GBU-48) handelt es sich um eine Lenkbombe, die mittels Laser oder GPS gesteuert wird. Die GBU-48 ist eine Präzisionsbombe mit einer Länge von 368 Zentimetern und einem Gewicht von 504.5 Kilogramm. Sie hat eine Reichweite von bis zu 25 Kilometern und trifft ihr Ziel mit einer Abweichung von weniger als zehn Meter. Insgesamt kann der Eurofighter mit vier GBU-48 bewaffnet werden, was ein zusätzliches Start- und Fluggewicht von etwa zwei Tonnen bedeutet. Daher wurde bei der diesjährigen Erprobung in Schweden nicht nur der Abwurf der Bomben, sondern auch das veränderte Flugverhalten des Eurofighters genau unter die Lupe genommen.

Aufbau einer GBU-48

Im Wesentlichen setzt sich eine einzelne GBU-48 aus drei Komponenten zusammen; der Steuereinheit mit GPS-Sensor und Laserzielsuchkopf, dem Bombenwirkkörper und dem Leitwerk mit Stabilisatoren. Am vorderen Ende befindet sich der frei bewegliche Lasersensor, der Laserreflexionen erfassen kann. Direkt dahinter sitzt die Steuereinheit mit dem GPS. Darauf folgen die variablen Steuerflächen, bevor sich der anteilsmäßig größte Baustein, der Bombenkörper, daran anschließt. Am hinteren Ende befindet sich das Leitwerk mit starren Stabilisierungsflossen. Die GBU-48 ist sehr präzise und lässt sich bei nahezu allen Sicht- und Wetterbedingungen einsetzen. Durch das GPS lässt sich der genaue Winkelvorherbestimmen, in dem die GBU ins Ziel treffen soll.

Vom Start bis zum Abwurf

Die Testkampagne auf dem schwedischen Übungsgelände dauerte mehrere Wochen. Der sichere Betrieb des Waffensystems hatte höchste Priorität. Die Piloten müssen sich erst an das Flugverhalten des Eurofighters mit der schweren Bewaffnung gewöhnen, denn Software und Elektronik müssen einwandfrei funktionieren. Erst dann können geplante Abwürfe erfolgen: zuerst auf Einzelziele, später auf mehrere Ziele.




Autor: Jennifer Ceranski/Luftwaffe